Banal

Oct. 4th, 2007 12:36 am
elfy: (Default)
[personal profile] elfy
Ich lese ja derzeit immernoch "A short history of nearly everything". Ja, ich lese da jetzt bald ein Jahr dran rum, sehr traurig das, aber ich habe einfach selten Zeit dazu. Aber egal, darum geht es nicht. Es ist auf jedenfalls ein sehr, sehr interessantes Buch und dazu noch gut geschrieben, ich will es mir wirklich gerne irgendwann auf Deutsch zulegen und noch mal lesen.

Jedenfalls, beim Lesen dieses Buches beschleicht es mich immer wieder, wie banal das Leben ist. Und wie fantastisch. Es ist soweiso eine Sache, über die ich mir schon immer viele Gedanken machen konnte, die immer mal wieder hoch kommt. Eine Art von kurzzeitigem überwältigt sein von dem was dieses Leben, diese Realität hier ist. Und auch manchmal eine Art von kurzzeitigem Nihilismus (wobei ich hier nicht sicher bin, ob es einen besseren Ausdruck gäbe), einer erneuten überraschten Feststellung, wie belanglos irgendeine Sache auf dieser Welt im Vergleich zur Geschichte des Kosmos ist.

Bryson benutzt in seinem Buch immer wieder schöne Metaphern, die ich, immer wenn ich über eine neue stolpere, am liebsten gleich hier zitieren möchte. Es scheint ganz offensichtlich, er ist sich dieser oben genannten Dinge auch bewusst. Sind sich viele Leute dessen bewusst? Macht ihr euch darüber Gedanken? Häufig? Manchmal? Nie? Ständig?

Ich finde vor allem, diese Gedanken machen das Leben gleichzeitig leichter und schwerer. Leichter, weil sie es einfacher machen, nicht alles so ernst zu nehmen, vielleicht auch zu verzeihen, weil sie Hoffnung geben können. Schwerer, weil es die Vergänglichkeit von allem was man tut, produziert und ist so deutlich macht. Ich oute mich hier nicht als Atheist, denn ich bin keiner. Agnostiker kommt dem wohl viel näher. Religion betrachte ich meist von außen, sehe sie als ein Konstrukt, geschaffen von Menschen die Erklärungen und Sicherheiten und Regeln brauchen. Trotzdem wehre ich mich nicht gegen den Gedanken, dass es da 'etwas' gibt. Ich sehe es nicht als etwas Lenkendes oder irgendwie Bewusstes. Ich sehe es mehr als den Lebensfunken oder als das, was alles funktionieren lässt. Nichts, was ich je anbeten würde, nichts, was man begreifen kann, weil es nichts zu begreifen gibt. Es ist einfach da - aber gleichzeitig tangiert es mich nicht in meinem Leben, es hat nicht mehr oder weniger Einfluss, ob es jetzt bewiesen wäre oder nicht. Aber ich glaube, ich schweife grade ab.

Jedenfalls. Der Gedanke wie endlich alles ist, wie unbedeutend, muss nicht deprimieren. Er kann das Leben erleichtern, weil man sich wie oben erwähnt vielleicht nicht mehr so viele Gedanken machen muss. Viele Dinge die einen ärgern, können einem dann egal sein, finde ich. Und plötzlich reicht es, die kleinen Dinge im Leben zu genießen. Die Sonne im Gesicht, die Schokolade auf der Zunge, die kraulende Hand eines anderen Menschen im Nacken. Ich will damit nicht sagen, dass es allen gut geht oder das man seine Sorgen doch mal eben so über Bord schmeissen kann. Weiß Gott mache ich mir häufig Sorgen über alles mögliche, vor allem Geld, leider und auch darüber, ob ich es ja allen Recht machen kann, weil ich ein Harmoniesüchtel bin und bleibe.

Aber der Gedanke, dass das eigene Leben nur eines von Millarden ist, kürzer als eine Millisekunde im Dasein des Universums, welches mit millarden weiteren Planeten gefüllt ist, von denen wer weiß wie viele noch bewohnt sind... der bleibt. Und er fasziniert mich immer wieder. Denn grade diese scheinbare Unwichtigkeit der eigenen Existenz erinnert mich wiederum an diese fantastische Komplexität dessen, was das Leben, das Universum und alles ausmacht. Moleküle, Atome, Quarks, Strings, Mikrokosmos der einfach funktioniert, Zellen die sich Teilen, die verschmelzen, neues Leben hervorbringen, aus zwei kleinen Keimen wird ein ganzer neuer Mensch, eine ganze Zivilisation, mit genug Komplexität für Kunst und Kriege, für Trash-Sendungen und Nobel-Preise, für Rollenspiel und Kapitalismus, für Quietcheentchen und Mondraketen, für Internet und Amish, für Currywurst und Peking-Ente, für self-made Second Hand Socken und Ipods. Und hier habe ich noch nicht angefangen von der noch viel faszinierenderen Natur, von Bakterien und Samen, von Seepferdchen und Schnabeltieren, von Nachtmullen und Tigern, von Regenwäldern und Schleimpilzen, von Kontinentaldrift und der Ozonschicht und diesem unglaublichen Gleichgewicht in dem sich alles befindet. Aber da hört es noch nicht auf, es geht noch viel weiter, denn was wäre das alles ohne den Mond und die Sonne, die Milchstraße und schwarze Löcher und dunkle Materie und den Urknall und was darüber hinaus noch existieren mag?
So viel ist von so vielem abhängig, wenn diese Bedingung nicht erfüllt wäre oder jene, wenn zwei bestimmte Moleküle sich nicht getroffen hätten, wenn ein Jäger irgendein kleines Äffchen gerissen hätte, wenn meine Eltern sich nicht begegnet wären, dann säße ich jetzt nicht hier.

Aber ich tue es. Und es ist doch schön zu wissen, das alles so gekommen ist, genau so, dass ich jetzt hier sitzen und das schreiben kann. Das ich die Möglichkeiten habe, die ich habe und dass es eigentlich noch viel mehr sind, als mir meist bewusst ist. Dass ich Freunde habe und mit ihnen über das Leben staunen kann und darüber wie banal es ist und wie faszinierend.

(no subject)

Date: 2007-10-03 10:25 pm (UTC)
From: [identity profile] rattenmaus.livejournal.com
Lass uns Babys machen!

Haha, aber ich freu mich wirklich über diesen Eintrag, ich erkenn da viel von meinen eigenen Gedanken wieder.

Das Buch mag ich auch gern - ich kann dir ja mal die deutsche Version mitbringen, wenn du möchtest.

(no subject)

Date: 2007-10-05 07:47 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
*grins*
Wer trägt aus?

(no subject)

Date: 2007-10-03 10:56 pm (UTC)
From: [identity profile] terrorzone666.livejournal.com
Schöner Eintrag!

Ja, der Gedanke hat mich auch schon hier und da beschäftigt... Was bedeutet das Leben? Für den einzelen ist es alles, im Großen und Ganzen ist es völlig nichtig. Ob ich nun noch 50 Jahre weiter lebe oder morgen sterbe, auf den Lauf der Welt wird dies wohl keine Auswirkug haben.

Was Glauben angeht denke ich wohl ähnlich wie du. Ich halte nicht viel von Religionen. Alle wollen recht haben, die einzige Wahrheit vertreten und werden vor allem viel zu häufig mißbraucht was natürlich nicht an der Religion an sich, sondern an den Menschen liegt die in ihrem Namen unrecht begehen.

Aber ich denke niemand kann für sich beanspruchen die Wahrheit zu kennen, gibt es einen Gott, eine höhere Macht oder nicht? Vielleicht finden wir es nach dem Tod heraus, vielleicht nicht...

(no subject)

Date: 2007-10-05 07:50 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
Rational gesehen glaube ich nicht an ein Leben nach dem Tod. Aber ich halte es auch nicht für verkehrt, darauf zu hoffen.

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Date: 2007-10-04 07:22 am (UTC)
From: [identity profile] majinaraparticl.livejournal.com
Über das Buch: Hmmm, sogar fremde Leute auf der Straße haben mich angesprochen und meinten ich solle das lesen. Aber wenn ich ein gutes dickes Buch lese, dann tue ich sonst fast nix bis ich mit dem Buch durch bin, und das ist ungünstig.

Und sonst... Die Gedanken gehen mir auch oft durch den Kopf. Vor kurzem grübelte ich darüber nach, in wie weit ich jetzt ein Teil meiner Eltern bin. Eigentlich eine banale Frage, aber man kann darüber schon nachgrübeln, wenn man sich die Zeit nimmt.
Ich persönlich glaube leider nicht daran, dass es da draussen etwas gibt. Natürlich sind unsere Sinne begrenzt. Wir können gar nicht wissen was da draußen alles ist, und davon auszugehen wir würden alles wichtige mitbekommen oder spüren ist an sich schon arrogant.
Trotzdem gibt es bei mir im Hinterkopf irgendwo ein Uhrwerk, welches ein Argument an das andere reiht, mit (der Meinung des Uhrwerks nach) mechanischer Präzision, zu dem Schluss kommend, dass da nichts ist. Ich finde das deprimierend. Ich denke, ich bin derzeit wohl einfach nicht reif genug um keine Angst vor dem Tod zu haben. Aber der Gedanke, dass er kommen wird, dass ich nichts dagegen tun kann, dass danach nichts mehr sein wird, das finde ich beängistigend.
Gedanken wie "dann spürst du auch keine Schmerzen mehr", scheinen mir keinen Sinn zu machen, solange ich keine schmerzen habe die so stark sind, dass ich mir den Tod herbeiwünsche. Was habe ich von der Ruhe, die ich im Tod finde, wenn mein Bewußtsein nicht mehr da ist, um diese Ruhe zu genießen?

Aber über größere Dinge nachzudenken ist eine schöne Sache. Wer weiß schon was in ein paar hundert Jahren ist. Wie oft denkt man ernsthaft über die Frage nach? Und der Gedanke "gibt es außerirdisches Leben", ist zwar schon fast alltäglich, und man hat seine Meinung dazu, aber wie oft macht man sich die Gedanken die man dazu hat auch tatsächlich bewußt? Wie oft macht man sich schon klar, was gerade tatsächlich alles im Universum in dieser Sekunde fantastisches passiert. Dinge die wir uns im entfernstesten nicht vorstellen können. Deswege könnten wiruns wenigstens die fantastischsten Dinge vorstellen die unser Hirn noch zuläßt. :) Wenigstens manchmal.
Aber der Alltag holt uns letztendlich wohl doch alle ein. Deswegen gehe ich jetzt nun Zähne putzen (auch wenn sie mir in 500 Jahren nichts mehr nützen werden), und bereite mich mental auf den Weg zu meiner Arbeit vor, auch wenn sie niemals irgendwelche Bedeutung haben wird.

(no subject)

Date: 2007-10-05 07:54 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
Sogar Fremde? Hihi, wie kam es denn *dazu*? :)

Ich weiß auch nicht, in wie weit ich 'das da draussen' für etwas übersinnliches halten würde. Oder überhaupt für 'etwas'. Es ist für mich einfach, wie geschrieben 'der Lebensfunke', das 'was alles funktionieren lässt'. Aber eben ganz ohne mystisches Brimborium.

Der Tod ist so eine Sache. Natürlich will ich auch nicht sterben und habe Angst davor. Ich versuche mich vor dem Nichts zu beruhigen damit, dass ich denke, dann kann es 'mir' auch egal sein. Und damit, dass ich, für mich ganz irrational, auf etwas danach hoffe.

(no subject)

Date: 2007-10-05 09:11 am (UTC)
From: [identity profile] majinaraparticl.livejournal.com
Ach da war saß ich gerad am Neumarkt, und schmökerte im "Schwarm" während ich auf die Bahn wartete. Da kam ein Student auf mich zu, fragte mich wie das Buch wäre, er hätte schon viel darüber gelesen, ob ich wüßte, dass der Autor Kölner wäre, und dass er mir die "Vermessung der Welt" (hieß das Buch so?) empfehlen würde.

Da kamen bei mir dann aber erstmal Abschlussprüfungen und dann Haruki Murakami dazwischen. Sein "Hard-boiled Wonderland - Das Ende der Welt" kann ich übrigens wärmstens empfehlen. :)

Wegen dem Tod: Ich hoff ja immer noch dass ich, wenn er mal nahen sollte, "weise" genug bin um ihn einfach zu akzeptieren.

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Date: 2007-10-04 09:33 am (UTC)
From: [identity profile] gwynhwyver.livejournal.com
Die Tatsache, dass wir alle wesentlich weniger als ein Staubkorn im Universum sind, war für mich nie sonderlich wichtig. Ich weiß dass es so ist, aber ich kann daran nie denken. Tag für Tag begegnen mir Menschen in all ihrer Komplexität und diese Größe lässt mich viel viel mehr staunen als der Vergleich mit einer unendlichen Sache.
Ich finde die Kausalität die du da benennst sehr hübsch: wissen um die Endlichkeit des Lebens & sorgenfreier Leben. Ich schätze das stimmt. Gerade weil mir permanent alles so groß vorkommt, mache ich mir mehr Gedanken als ich sie mir wohl machen sollte.

Schöner Eintrag!

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Date: 2007-10-05 07:55 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
Danke :)

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Date: 2007-10-04 12:51 pm (UTC)
From: [identity profile] fuchs.livejournal.com
Uiiih, schöner Eintrag! Schöne Gedanken, schön formuliert. *happy sigh*

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Date: 2007-10-05 07:55 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
Ja, manchmal hab ich so Momente ;)

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Date: 2007-10-04 01:05 pm (UTC)
From: [identity profile] jessamyn-rl.livejournal.com
Das Buch hast Du mir doch damals empfohlen als ich über die Eisberge "philosophiert" habe, weißt Du noch? ;D Danke nochmals!

Hab auch schon einen Eintrag drüber geschrieben weils mich so gefesselt und fasziniert hat :D

http://jessamyn-rl.livejournal.com/588871.html

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Date: 2007-10-05 07:56 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
Ui, habs gelesen! Ja, das Buch ist toll, mir fehlen auch echt nur noch die letzten paar Seiten :)

Liest du auch Zeitschriften zu 'dem Thema'? Ich kann jedenfalls die ZeitWissen empfehlen.

(no subject)

Date: 2007-10-05 09:53 am (UTC)
From: [identity profile] jessamyn-rl.livejournal.com
Ah, die hab ich letzt am Bahnhof gesehen ;) Glaub, in "normalen Läden" gibts die nicht. Da bekommt man ja nichtmal die National Geographic :-/ Ich liebe die Geo-Hefte wegen ihrer Reportagen und vor allem, wegen der einzigartigen Fotos. Leider würde es dann doch recht teuer, die alle zu abonnieren ;) Muss mal schauen ob ich die vllt gelesen irgendwo beziehen kann.. Das wäre toll!

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Date: 2007-10-04 03:46 pm (UTC)
From: [identity profile] lord-caramac.livejournal.com
Ich glaube, das Buch sollte ich auch einmal lesen. Allerdings habe ich den Versuch, gar nichts zu glauben und Agnostiker zu sein, den ich in meinen Teenager-Jahren begonnen hatte, irgendwann in meinen frühen 20er aufgegeben, weil ich gemerkt habe, daß es mir gar nicht möglich ist, nichts zu glauben. Ich bin stattdessen dazu übergegangen, ALLES zu glauben, auch (und gerade!) wenn es sich widerspricht. Der Mensch ist ein widersprüchliches Wesen, also wieso sollte ich nicht an viele Dinge gleichzeitig glauben, die sich logisch betrachtet gegenseitig ausschließen?

Schwierig wan es, einigermaßen Kontrolle über diese Widersprüche zu erlangen, aber im Rahmen meiner Beschäftigung mit Okkultisums stieß ich auf die moderne Chaosmagie, die genau die Werkzeuge liefert, die ich brauche...

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Date: 2007-10-05 08:00 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
Für mich heißt Agnostiker sein, dass ich zugebe nichts zu wissen - und deshalb nicht meine Überzeugungen an irgendeinen Glauben hänge (also auch keiner Religion folge und sie anderen aufdrücke).

Wobei die Aussage natürlich ein zweischneidiges Schwert ist, ich habe auch von Marktwirtschaft kaum Ahnung und trotzdem viel Meinung, was richtig sei und 'predige' das auch. Oder z.B. was der Umgang der Menschen miteinander umgeht. Aber beim Agnostiker sein geht es mir spezifisch um religiöse Dinge. Ich finde es wohl einfach deshalb passend, weil ich es zu hart fände zu sagen ich bin Atheist - ich würde es nicht richtig finden zu behaupten, dass da definitiv nichts ist.

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Date: 2007-10-04 08:21 pm (UTC)
From: [identity profile] uscignolo.livejournal.com
:o)

zu mehr bin ich leider aufgrund meiner körperlichen verfassung nicht in der lage, aber es drückt meine empfindung aus, die dieses posting bei mir ausgelöst hat!

(no subject)

Date: 2007-10-05 08:00 am (UTC)
From: [identity profile] elfy.livejournal.com
hihi :D

(no subject)

Date: 2007-10-05 02:41 pm (UTC)
From: [identity profile] vanita.livejournal.com
Das Buch will ich auch mal lesen.

Ich muss gestehen, dass ich mir über derart große Zusammenhänge gar keine Gedanken mache. Es ist mir klar, dass man alles in immer größere Zusammenhänge setzen kann, aber das ist mir zu abstrakt.

Agnostikerin bin ich übrigens auch. Ich seh das wie Du.

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